Drei Denkschulen der Kapitalmarktanalyse widersprechen sich in ihren Aussagen. Unser Regelwerk löst diesen Widerspruch nicht auf, indem es eine Schule bevorzugt – sondern indem es festlegt, wann welche Betrachtung Vorrang hat.
Die Fundamentalanalyse betrachtet den inneren Wert eines Unternehmens oder Marktes: Erträge, Bilanzen, wirtschaftliche Rahmendaten. Sie beantwortet die Frage, was etwas wert sein sollte – aber nicht, wann sich der Preis dieser Einschätzung annähert.
Die Behavioral Finance untersucht, wie Anlegerinnen und Anleger tatsächlich entscheiden: oft unter dem Einfluss von Verlustaversion, Herdenverhalten oder Übertreibung. Sie erklärt, warum Märkte von fundamentalen Werten abweichen können – liefert aber selbst keine Handlungsregel.
Die Technische Analyse betrachtet ausschließlich die Kurs- und Trendentwicklung selbst. Sie ignoriert bewusst, warum sich ein Markt bewegt, und konzentriert sich darauf, dass er sich bewegt. Damit ist sie reaktionsschnell, aber ohne Bezug zu den dahinterliegenden Ursachen.
Jede dieser drei Denkschulen kann für sich genommen recht haben und trotzdem zu einer anderen Schlussfolgerung kommen als die anderen beiden. Ein Markt kann fundamental günstig erscheinen, während die Technische Analyse einen intakten Abwärtstrend zeigt und die Behavioral-Finance-Perspektive auf anhaltende Panik hinweist. Wer sich auf eine einzelne Sichtweise verlässt, blendet die beiden anderen aus – und trifft Entscheidungen, die von der jeweils gewählten Brille abhängen, nicht von der Marktlage selbst.
Statt eine Denkschule als richtig und die anderen als falsch zu behandeln, ordnet unser Regelwerk ihnen unterschiedliche Rollen zu. Fundamentale und verhaltensbasierte Einschätzungen fließen in die grundsätzliche Ausrichtung einer Strategie ein. Die Beobachtung von Kurs- und Trendverläufen bestimmt, wann diese Ausrichtung tatsächlich umgesetzt wird. Die Entscheidung darüber, welche Betrachtung in welcher Situation den Ausschlag gibt, ist damit nicht dem Tagesurteil überlassen, sondern vorab im Regelwerk festgelegt.
Das Ergebnis ist kein Versuch, den Markt vorherzusagen, sondern ein feststehendes Verfahren, das in jeder Marktlage gleich angewendet wird. Was das leisten kann und wo es an Grenzen stößt, beschreiben wir auf der Seite Grenzen.